Aktionismus, weil privilegiert! Warum Nicht-Handel keine Option ist - Folge 22
Shownotes
„Du Christa, statt aktiv zu werden, planen wir lieber unsere nächsten Urlaube und tun so, als wäre eh alles wie immer.“ Dieser eine Satz einer Freundin am Telefon hat gesessen. Weil er wahr ist. In dieser ungemütlich ehrlichen Solo-Folge geht es um die Komfortzone der Privilegierten – und Christa macht sich dabei als Host selbst angreifbar. Warum flüchten wir vor den Krisen unserer Zeit in den Luxusurlaub und nehmen es mit der Umsetzung im Alltag dann doch nicht ganz so genau?
Wir räumen auf mit dem lähmenden Alarmismus („Wir werden alle sterben!“), der unser Gehirn erst recht in die Passivität treibt, und definieren Aktionismus völlig neu. Denn das systematische Wegschauen und das Ausreizen unserer Privilegien auf Kosten vulnerabler Gruppen hat System – und zwar nicht nur beim Klima, sondern exakt genauso beim schleichenden Demokratieverlust, der erschreckenden Zahl an Femiziden oder grassierender Queer-Feindlichkeit. Eine Folge über das ökologische und soziale Überziehungskonto, auf dem wir in Österreich leben, und ein flammendes Plädoyer dafür, die eigenen Privilegien endlich als Hebel zu nutzen, um unbequemer und lauter zu werden.
In dieser Folge erfährst du:
Warum ständige Untergangsszenarien uns psychologisch in die Verdrängung treiben.
Was das „Geschäftsführer-Prinzip“ mit unserer Verantwortung als wohlhabende Gesellschaft zu tun hat.
Warum echter Aktionismus nicht bedeutet, dass sich jede*r auf die Straße kleben muss, sondern dass Schweigen im Alltag keine Option mehr ist.
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Links & Ressourcen zur Folge:
- Psychologische Dynamiken hinter der Krisenstarre: Psychologists for Future – Klimakrise verstehen
- Wann Österreich seine Ressourcen für das Jahr aufgebraucht hat: Global Footprint Network – Country Overshoot Days
- Daten zur globalen CO₂-Ungleichheit der Reichsten: Oxfam Deutschland – Klimagerechtigkeit
- Zahlen, Fakten & strukturelle Prävention zu Gewalt an Frauen: Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF)
- Bericht zum weltweiten Zustand von Demokratien und Polarisierung: V-Dem Institut – Global Democracy Report
- Der umfassende Klimastatusbericht für Österreich: CCCA Klimastatusbericht
Produziert von DAS POD (https://daspod.at/).
Transkript anzeigen
00:00:12: Wir flüchten vor den Krisen unserer Zeit.
00:00:16: Ich flüchte ins nächste Fünf-Sternen-Hotel und wir tun einfach so, es gäbe kein Morgen oder?
00:00:23: Mit diesen Worten sage ich hallo zu einer Zuversicht!
00:00:25: Mein Name ist Christa Klauphofer Krampel und worüber ich heute sprechen möchte das ist etwas das mich zutiefst betroffen macht, dass mich zudiefst persönlich trifft auch sagen muss, da fühle ich mich massiv ertappt.
00:00:43: Und zwar habe ich im ... Es war Juni, wir waren am Bahnhof, Zug hat Verspätung gehabt es war heiß, eine Frau ist da gesessen der ältere Dame, die als echt überhaupt nicht gut gegangen in der Hitze und ich hab mit einer Freundin telefoniert Mit einer Freundine, die sehr pragmatisch ist und die eigentlich wenig oder sich nicht sehr schnell aufregt über Dinge.
00:01:03: Und sie hat es sehr emotional zu mir gesagt, Christa wie kann das sein?
00:01:08: Wir wissen alle in welcher Situation wir sind, wir wissen alle, wie's um unsere Zukunft steht und in Wirklichkeit beschäftigen wir uns nur damit, wofür haben wir denn hin?
00:01:18: eigentlich auf Urlaub?
00:01:19: Das sind jetzt schon bald Sommerferien.
00:01:21: was können wir da machen und wie gestalten wird es Dieses Telefonat, das hat mich einfach nicht mehr losgelassen.
00:01:29: Und es hat mich nicht los gelassen weil ich mich wie ich vorhin schon gesagt habe einfach super ertappt gefühlt hab.
00:01:37: Jetzt behaupte ich von mir dass ich mich sehr viel mit diesen, sagen wir mal nennen die großen Krisen dieser Welt auseinanderseits beschäftige mich mit der ökologischen Krise.
00:01:47: Ich beschäftige damit dass unsere Demokratie auf immer wackeliger in Beinen steht.
00:01:53: Damit, wieso tut sich der Feminismus plötzlich wieder so schwer?
00:01:58: Ich beschäftige mich aber auch mit meinem nächsten Urlaub.
00:02:00: Und ich beschäftige mir viel zu gern mit meinem nächstem Urlaub und manchmal bleibt es ... Geht's einfach über ... Ich denke ein bisschen nach über Themen.
00:02:08: vielleicht diskutieren noch mit jemanden über diese Themen Aber ganz oft gehts halt da nicht drüber hinaus.
00:02:15: Und warum hat man das so?
00:02:18: Warum hat mir das so gepackt, warum ist es so gesessen dieses Telefonat?
00:02:22: Weil in Wirklichkeit wir über Privilegien sprechen.
00:02:27: Aber wir sprechen auch über meine Privilegen.
00:02:31: nur Beispiel Wir wissen alle, wir haben alle wahrscheinlich ein Konto.
00:02:36: Wir bekommen Gehalt und wir haben ein bestimmtes Geld das verfügbar ist auf unserem Konto und wir wissen alle wenn mir einfach mehr ausgehen was da drauf ist dann gehen wir einfach in den Überziehungsrahmen.
00:02:47: Das darf mal passieren, es kann mal passieren.
00:02:49: Es gibt Situationen Da lebe ich auf Kredit, das geht gar nicht anders.
00:02:54: Ich denke das ist in Ordnung so.
00:02:56: Aber ich weiß auch Wenn ich permanent mein Konto überziehe wird's irgendwann nochmal Problematisch.
00:03:03: Meine Bank wird fix irgendwann einmal kommen und sagen, du Christa also da müssen wir jetzt was tun!
00:03:08: Du musst es jetzt ausgleichen weil wir können dir einfach nichts mehr geben.
00:03:12: Und was wir gerade gefühlt machen ist, wir leben auf einem ökologischen und sozialen Überziehungskonto.
00:03:20: das heißt ich nehme mir permanent meine Privilegien raus?
00:03:24: Ich zahl aber keine ein.
00:03:26: Ich nehme mir raus, meine Urlaube machen zu können ohne drüber nachzudenken dass es draußen sechs oder drei Grad hat in Österreich im Juni von mir aus und das das nicht in Ordnung ist.
00:03:42: an irgendeinen Ort auf dieser Welt.
00:03:45: Wer weiß, wie lange wir diesen Ort noch anschauen können und nehmen in Kauf dass uns das wird gerade in einer Zeit von.
00:03:53: ich würde jetzt nicht so weit gehen und sagen Wir haben schon einen demokratie Verlust aber unsere Demokratie wackelt ein bisschen.
00:03:59: also wir verschieben permanent auch Grenzen.
00:04:01: was ist gut was es Nicht Gut.
00:04:04: Und diese Privilegien Wir nutzen sie nicht.
00:04:08: Wir sind Nutznieser, aber wir verwenden sie nicht verantwortungsvoll.
00:04:13: Ich verwende sie nicht für antwortungsvoll!
00:04:15: Wie gar nicht das wir sagen?
00:04:16: Ich beziehe es auf mich.
00:04:22: Wir zu Hause in meiner Familie haben ein sehr klimafreundliches Mobilitätsverhalten zum Beispiel.
00:04:28: Also ich fahre mit dem Fahrrad und mache meine Urlaubsreisen eigentlich fast ausschließlich mit dem Zug Und wenn ich Auto fahren muss, dann vor allem im E-Auto.
00:04:40: Manchmal reicht mir das schon, um zu argumentieren, dass sie ein eh sehr klimafreundliches Leben führt.
00:04:45: Was ich dabei ausklammer ist, dass Sie mich sehr freuen, wenn wir am Samstag grillen können und ihr schönes Steaker vom Griller schmeißen kann!
00:04:58: Ganz spannend finde ja auch in meiner Kommunikation dieses Steaks zum Beispiel auf Instagram niemals herzeigen wird weil ich nur herzeigen möchte, wo ich mich korrekt verhalte und nicht dort wo ich weiß das es eigentlich nicht super ist.
00:05:12: aber das könnte ja jetzt auch irgendwie ein bisschen negativ ausschauen oder?
00:05:17: Und das finde ich sehr spannend.
00:05:20: Ich habe mir dann auch noch überlegt, was machen wir mit diesen Privilegien.
00:05:24: Wieso genießen wir die nur?
00:05:27: Wieso nutzen wir sie nicht?
00:05:28: und es ist uns allen völlig klar dass wenn ich und nehme ein sehr konservatives hierarchisches Beispiel her Wenn ich in einem Unternehmen arbeite und ich werde Geschäftsführer-Geschäftsführerin, dann ist mir völlig klar da kommen jede Menge Privilegn auch.
00:05:43: Ich kriege mehr Geld, ich hab mehr Zugang zu Informationen, ich werd zu anderen Dingen eingeladen aber Ich habe ganz viel mehr Verantwortung.
00:05:53: Ich hab plötzlich mehr Verantwortung für Menschen, vielleicht hat die vorher ein kleines Team, vielleicht habe ich jetzt einen riesigen Bereich wo vielleicht – ich war es nicht – Fünfzig Leute drinnen sitzen?
00:06:05: Ich hab mehr Verantwortung über meine Budgets!
00:06:08: Ich hab' mehr Verantwortung darüber was am Ende des Tages wir in unseren Kundenkunden verkaufen sei's jetzt ein Produkt, sei's ein Wertversprechen eine Dienstleistung.
00:06:16: I don't know.
00:06:16: it is egal und Ich für mich muss akzeptieren, dass ich als in Österreich geborene weiße Frau mit einem sehr soliden Einkommen sitz einfach auf dem gesellschaftlichen Geschäftsführer-Posten.
00:06:31: Das heißt... Aber ich habe auch Verantwortung.
00:06:38: Ich habe eine Verantwortung gegenüber Generationen, die nach uns kommen.
00:06:42: Ich hab Verantwortung gegenüber unserer Umwelt und unserer Demokratie.
00:06:47: Ich hatte Verantwortung gegenüber Menschen, denen es nicht so gut geht.
00:06:50: Ich hätte Verantwortung gegenüber Personen, die einfach diskriminiert werden.
00:06:54: Und für mich ... Ich habe einfach auch beschlossen, dass nicht aktiv sein wirklich keine Option mehr ist.
00:07:02: Ich kann nicht nur Privilegien nutzen ich muss sie auch einsetzen und das heißt nicht, dass ich mir ab morgen jetzt auf die Straße klebe.
00:07:10: Das mag für manche Menschen richtig gute Form von Aktivismus sein.
00:07:14: Für mich ist es keine gute Form vom Aktivismus und ich glaube, Aktivismo ist auch etwas sehr Individuelles aber... Ich weiß, ich kann meine Privilegien dafür einsetzen in meinem Umfeld sehr viel Gutes zu machen.
00:07:27: Ich kann sie einsetzen mit Menschen wertvolle Gespräche zu führen und sich dafür um sichtbar zu machen was Gutes passiert, was wir auch Gutes machen können oder was wir Gutes tun sollen.
00:07:44: Zugang zu Bildung, ich habe die Möglichkeit mich auch weiterzubilden und gescheitert zu werden.
00:07:49: Und genau das werde ich auch tun!
00:07:51: Ich werde nicht aufhören über diese Dinge zu sprechen, die wichtig sind.
00:07:56: Und ich habe auch das Gefühl wenn ich diese Verantwortung annehme – sehr beruflichen Kontext desgleiche – nehme Verantwortung an, ich schaffe ein Projekt, mache eine gute Entscheidung dann fühle wirklich gut, dieser befreierndes Gefühl.
00:08:13: Ich bin dann stolz auf mich und irgendwie bereichert mir das auch.
00:08:18: Und ich bin mir sicher dass dieses Gefühl sich auch einstellt wenn wir aktiver werden, wenn es um unsere Gesellschaft geht, wenn's um unsere Umwelt geht.
00:08:29: Ja, ich bin ein bisschen zornig auf mich selber weil diese Privilegien viel zu wenig positiv nutz und ich nehme vor, dass ich das jetzt viel intensiver machen möchte.
00:08:39: Und nehmt es mich gerne beim Wort und zeigt mir gerne wo ich's nicht tue weil ich glaube, dass es anders einfach gar nicht mehr geht.
00:08:51: Und freue mich über jede Person die zuhört und zusieht.
00:08:55: sie sagt okay fein!
00:08:57: Ich verstehe Privilegien wir haben sie.
00:08:59: ich geh mit erzähle ich vielleicht in meiner Familie, dass wir vielleicht oder wir besprechen was wir vielleicht ein bisschen anders machen könnten.
00:09:08: Oder ich rede über super positive Beispiele die das schon gut machen.
00:09:12: Ich glaube es könnte auch super guter erster Schritt sein und wird uns echt weiterhörfen ja!
00:09:18: Und ich hoffe, dass sich dann auch so ein Gespräch mit meiner Freundin am Telefon wiederholen kann und sie mir diese Frage stellt und ich sagen kann Ja eh, aber schau mal!
00:09:30: Wir machen das und wir machen das.
00:09:33: Und mit diesem Wunsch verabschiede ich mich.
00:09:35: und hat es gut?
00:09:37: Habt einen schönen Tag, bleibt aktiv, bleibt aufmerksam und ich freue mich wenn wir uns nächste Woche wiedersehen und wieder hören.
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