Ein Sommer wie damals? Warum unsere Klimanostalgie gefährlich ist - Folge 19

Shownotes

„Früher war es im Sommer doch auch schon heiß, solche Phasen gab es immer!“ – Hand aufs Herz: Wie oft hast du diesen Satz in den letzten Wochen beim Small Talk gehört? In dieser Solo-Kurzfolge von Zorn & Zuversicht knöpft sich Christa die weit verbreitete „Klimanostalgie“ vor. Warum verklären wir die Sommer unserer Kindheit so sehr und klammern uns an die rosarote Brille, während wir eine extreme Hitzewelle nach der anderen erleben?

Christa nimmt uns mit auf den Bauernhof ihrer Oma im Mühlviertel der 1980er-Jahre und deckt ein faszinierendes psychologisches Phänomen auf: Unser Gehirn erinnert sich extrem selektiv. Wir spiegeln diese weichen Erinnerungen mit den harten, messbaren Daten der Messgeschichte und zeigen, warum das vermeintlich harmlose Schönreden in Wahrheit eine unfaire Lastenverschiebung auf die nächste Generation ist. Eine Folge über die selektive Natur unserer Erinnerung, aufgeheizte Badeseen und die Frage, wie wir die echte Essenz von damals als Treibstoff für heute nutzen können.

In dieser Folge erfährst du:

  • Warum unser Gedächtnis uns im Hitze-Small-Talk systematisch belügt (Das Pollyanna-Prinzip).

  • Wie radikal sich die Anzahl der realen Hitzetage in Österreich seit den 1980ern verändert hat.

  • Warum es der schönen Erinnerung an früher keinen Abbruch tut, wenn wir der Wahrheit von heute ins Auge blicken.

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Produziert von DAS POD (https://daspod.at/).

Transkript anzeigen

00:00:12: Ja, hallo.

00:00:12: Herzlich willkommen in einem oder vielleicht meinem Sommer wie damals!

00:00:17: Mein Name ist Christa Klauper Verkramplich bin der Host des Podcasts Zorn und Zuversicht und ich würde euch heute gerne mitnehmen auf eine kleine Zeitreise in sagen wir mal die Mitte der achtziger Jahre.

00:00:28: warum mache ich das?

00:00:30: Wir haben zwanzig sechsundzwanzig.

00:00:32: Wir hatten super Hitzewelle im Juni.

00:00:35: Ich glaube die nächste ist im Anrollen soweit ich heute gehört habe.

00:00:40: Wenn ich mich so zurück erinnere an meine Kindheit, dann hab' ich in meinem Kopf einfach gerade zu Bilder, wo es mir wahnsinnig warm war.

00:00:50: Ich war den ganzen Sommer barfuß und hatte keine Schuhe an.

00:00:55: Man muss dazu sagen, dass mein Sommer in Mühlviertel verbracht ist bei am Bauernhof meiner Großeltern, später im Bauernhofen meines Onkels.

00:01:05: Und so ein bisschen stellt sich das Gefühl jetzt auch gerade wieder ein.

00:01:08: Ich habe glaube ich seit einem Monat einfach keine geschlossenen Schume an und ich liebe das!

00:01:13: Die langen Hosen sind seit einem monat im Kasten, und im Grunde ist mir einfach immer warm.

00:01:22: Es erinnert mich so ein bissel vom Gefühl her... Ja, wie damals, wie so Volksschulkind war.

00:01:29: Ich war die ganze Zeit draußen und es war doch schön oder?

00:01:33: Jetzt habe ich aber dann zum Nachdenken angefangen und war das wirklich so schön?

00:01:38: Oder spielt mir da gerade meine Erinnerung einen Streich.

00:01:43: Und die bin für mich zum Schluss gekommen, na die Erinnerungen spielt mir jetzt kein Streich!

00:01:48: Es war wirklich schön es waren wunderschöne Sommer.

00:01:51: Das Problem ist nur...es waren keine ganzen Sommer.

00:01:54: In meiner Erinnerung habe ich meinen Sommer draußen verbracht am Bauernhof, aber das ist nicht realistisch.

00:02:00: Ich war damals sechs, sieben, acht Jahre alt.

00:02:02: Meine Eltern waren in der Steiermark also ich war maximal zwei vielleicht aller höchstens drei Wochen dort.

00:02:08: und was so den restlichen Sommer war, das kann ich mir eigentlich überhaupt nicht erinnern.

00:02:14: Das heißt wenn ich zurückdenke dann bin ja ein bisschen nicht nur ein bisschen, ich bin sehr nostalgisch.

00:02:20: Ich erinnere mich an das was wirklich schön war.

00:02:23: Das ist so ein wohliges Gefühl!

00:02:26: Ich denke gerne daran zurück, ich hätte diese Zeit einfach wahnsinnig gerne wieder und dieses Sommer damals waren großartig.

00:02:35: Und das ist auch die Nostalgie und auch diese Bilder über die ich da redet.

00:02:39: Es ist auch das was wir in den Medien gerade so oft sehen und hören... Ein Sommer wie damals, das ist ja nichts was ich erfunden habe.

00:02:47: Sondern das hört man recht oft.

00:02:49: Ich höre auch recht oft Auch in meinem privaten Umfeld.

00:02:51: so Ja So Haas Das haben wir immer schon gehabt Und vielleicht in zwei Wochen schneit's Vielleicht wieder?

00:02:57: Das ist halt Österreich Wir sind mitten in den Alpen.

00:02:59: Das is halt so.

00:03:02: Und da gibt es in der Psychologie tatsächlich auch einen Namen für diese Nostalgie.

00:03:09: Also das ist ja eine sehr selektive Wahrnehmung, wir nehmen nur das wahr oder erinnern uns an das was einfach gut war, was schön war und als andere schieben wir so ein bisschen auf die Seite.

00:03:20: Das ist so eine rosa-rote Brille-Nostalgy.

00:03:23: Man nennt es in der Psychologie auch Pollyanna-Prinzip.

00:03:27: Ich hoffe, ich habe das richtig ausgesprochen.

00:03:29: Pollyana ist eine Romanfigur.

00:03:32: Aus den letzten Jahren ist sie ein junges Mädchen, die sich zu radikalem Optimismus entschlossen hat und nach diesen Mädchen wurde dieses Prinzip benannt.

00:03:43: Das heißt, ich konzentriere mich immer auf das gute und das negative und das was sie nicht so gut anfühlt.

00:03:49: Das schiebe einfach weg.

00:03:53: Warum ist es so?

00:03:56: Ich habe vorher schon ganz kurz gesagt, wir sind mitten... Wir hatten gerade eine riesengroße Hitzewelle.

00:04:02: Und wenn ich ganz ehrlich bin die Hitzewelle war nicht super.

00:04:05: also das hat mir körperlich gar nicht gut getan.

00:04:09: Ich hab Migräne gehabt, ich hab schlecht geschlafen, ich war unausgeglichen und mir war einfach immer viel zu hasst.

00:04:18: Das hat also gar nichts zu tun mit diesem Sommer, den ich so abgespeichert habe und eben möchte euch jetzt nicht mit irgendwelchen Klimafakten zumölen.

00:04:25: Weil da gibt es einfach sehr viele Menschen die das wahnsinnig gut erklären können.

00:04:29: Schaut's euch gerne die Verena Mischitz an!

00:04:31: Die macht ganz großartige Kommunikation.

00:04:34: oder auch der Markus Watzack kann Dinge sehr gut erklären.

00:04:37: aber so zwei Dinge möchte ich trotzdem mit einfließen lassen.

00:04:43: Mitte der Achtzigerjahre, wie ich eben meinen Sohn mein Obersterreich war, hatten wir im Juni so circa ein bis drei Hitze Tage.

00:04:52: Das heißt, wir hatten so maximal ein bis zwei Tage, wo es über dreißig Grad hat.

00:04:57: Heute, zwanzig sechs und zwanzige haben wir oder in den letzten Jahren haben wir so bis zu das Dreifache davon.

00:05:06: Also schon einmal die Temperatur, das hält jetzt meiner Nostalgie nicht stand.

00:05:12: Dann habe ich mir noch eine zweite Sache angeschaut, weil auch das hat mit meiner Kindheit zu tun und zwar bin ich gedanklich an den Klebeiner See gereist.

00:05:20: Der Klebeine See da waren wir manchmal wie ein Kind war und der hat wenn man sich das anschaut im Juni so zwischen achtzehn und zwanzig Grad gehabt.

00:05:29: also für alle die jetzt das gern warm haben, die würden sagen, das ist schon noch frisch.

00:05:37: Aber für andere ist es sehr erfrischend und heuer haben wir im Juni schon über vierundzwanzig Grad gemessen.

00:05:46: Das mag jetzt eben genau für die Person, der ein bisschen wärmer mag, super sein aber für das ökologische System in dem See ist das ein Riesenstressfaktor.

00:05:55: Das ist nicht gut für die Fische, das is'n nicht gut.

00:05:58: Und dieses Sommer, wie früh?

00:06:07: damit verahmlosen wir einfach sehr viele Dinge.

00:06:09: Ich habe jetzt auch vor kurzem eine Headline gelesen, die mich ... ja was soll ich sagen?

00:06:15: Eigentlich hat sie mich sehr zornig gemacht und zwar Dieser Juni war nur der viert heißeste in der gesamten Zeit, in der man eben Temperaturaufzeichnungen macht.

00:06:26: Jetzt steht nur diese Headline da.

00:06:28: und was macht das mit mir?

00:06:29: Das macht es immer denke ich ah ja eh nur der vierte heißeste.

00:06:32: also vielleicht war ja diese Hitzewelle gar nicht so schlimm.

00:06:36: Es nimmt aber ein bissel dem ganzen auch den Kontext und selbst wenn ich diesen Artikel dann weiterlese wird eigentlich die Dramatik dieser ganzen Sache net...net..das wird nicht rausgearbeitet!

00:06:46: Das ist nicht ganz klar.

00:06:48: Jetzt frage ich mich schon, wieso verharmlosen wir so?

00:06:51: Vielleicht wollen wir es nicht aushalten.

00:06:54: Weil wir gerne ein gutes Gefühl hätten.

00:06:56: Vielleicht was einfach angenehmer ist für uns.

00:06:59: Wir wollen vielleicht diese schöne Erinnerung retten und ich möchte diese schöne erinnerung ja auch retten.

00:07:04: Ich liebe meine schöne Erinnere, ich liebe meine Nostalgie!

00:07:07: Und ich möchte sie auch mitnehmen und das nähert mich auch und stärkt mich auch.

00:07:13: Hier würde ich jetzt voll gerne nochmal auf diese Pollyanna zurückkommen, weil ich habe vorhin schon gesagt es ist eine Romanfigur.

00:07:18: So!

00:07:19: Gut, warum geht es denn jetzt eigentlich in diesem Roman?

00:07:22: Und ich sage dazu.

00:07:23: Ich habe den Roman noch nicht gelesen.

00:07:25: Ich werde ihn fix lesen weil ich finde das wahnsinnig spannend wie dieser Roman und diese Romanfigur beschrieben wird und zwar diese Pollyanna ist ein elfjähriges Mädchen.

00:07:34: die ist ganz plötzlich weisen geworden und ist zu ihrer sehr strengen, zu ihrer verherrnten aber sehr wohlhabenden Tante nach Vermont kommen und man wollte sie dort nicht haben.

00:07:45: Wer Montt wollte sie nicht haben, die Tante wollte es nicht haben und man hat sich das sehr stark spüren lassen.

00:07:52: Diese Pollyanna hat aber von ihrem Vater quasi ein Glad Game geschenkt bekommen.

00:07:59: also das ist sein Spiel Ein Froh-Spiel.

00:08:03: Es heißt Sie hat in diesem Spiel gelernt In jeder Situation ganz radikal das positive zu sehen.

00:08:11: Er war Beispiel gelesen.

00:08:12: Sie hat sich eine Puppe gewunschten Bekommen hat sie Krücken Und sie war jetzt nicht verzweifelt, weil sie diese Puppe nicht bekommen hat.

00:08:19: Sondern sie hat gesagt, woher ist voll?

00:08:21: super dass ich die Krücken nicht brauche?

00:08:25: Mit diesem radikalen Optimismus hat sich es über die Zeit geschafft, diese Stimmung in Vermont und auch die Stimmung ihrer Tante ihr gegenüber zu verändern.

00:08:36: In der Zusammenfassung steht so schön sehr emotional.

00:08:40: man hat die harten Herzen aufgeweicht.

00:08:45: So schön, so gut.

00:08:46: Jetzt könnte man sagen ja, das war eine schöne Geschichte und da ist ja was ganz Tolles passiert.

00:08:53: aber es ist dann etwas ganz Dramatisches passiert.

00:08:55: diese Pollyanna hat nämlich einen Unfall gehabt Und dieser Unfall bei dem irgendwie nicht klar war wird sie jemals wieder gehen können?

00:09:04: also es hat sich auch ausgeschaut als wäre sie jetzt einfach es könnt sie einfach nie mehr wiedergehen und Sie hat ihren Optimismus verloren.

00:09:16: Und was dann passiert ist in diesem Roman und das finde ich so beeindruckend.

00:09:19: Das ist für mich auch ein Gedanke, der mich so zuversichtlich machte.

00:09:26: Die Menschen in Vermont und die Tante haben sich zusammengetan und die Gemeinschaft hat ihr dieses Gleitgame zurückgeschenkt.

00:09:34: Und es hat zur Folge gehabt dass einfach das Ende ein gutes war und die Poliana wieder optimistisch sein konnte und mit ihr auch diese Gemeinsschaft eine gute war.

00:09:46: Und warum möchte ich dieses Buch unbedingt lesen?

00:09:48: Weil, ich glaube dass diese Geschichte sehr viel für uns tun kann.

00:09:53: Wenn wir über Zuversicht reden wenn wir über Optimismus reden... ...wenn wir so wie ich vielleicht auch drüber rede was kann diese Nostalgie für mich Gutes tun?

00:10:04: und wie kann ich das nutzen um aus dieser schönen Nostalgie aus diesem schönen Gefühl weiterzukommen in eine Situation, wo wir als Gemeinschaft zusammen etwas verändern wollen.

00:10:18: Und wir sind vielleicht nicht immer in jeder Lebenssituation überall an der gleichen Stelle in diesem Buch.

00:10:25: Vielleicht sind wir gerade dabei mit unserer Zuversicht die Herzen quasi auch aufzuweichen – vielleicht sind wir aber gerade in diesem katastrophalen Unfall und vielleicht brauchen wir jetzt die Gemeinschafe, die uns die Zuversich wieder zurückgibt.

00:10:42: Also ich werde das Buch fix lesen.

00:10:44: Ich bin ganz gespannt auf die Details in dem Buch.

00:10:47: und was würde ich mir wünschen?

00:10:50: Ganz am Schluss von dieser Folge, weil diese Nostalgie, die begleitet mich ja und wird mich auch weiterhin begleiten... also ich möchte ja diese Erinnerung wirklich wie einen Schatz behüten.

00:11:02: aber Zum Schluss mir wünsche von mir, und das nehme ich mir vor.

00:11:07: Und ich wünsch uns des allen eigentlich ist dass wir diese Erinnerungen, diese wertvollen Erinnerung die wir haben quasi in eine Schatzkiste geben und diese Schatzkäste öffnen wenn wir sie brauchen damit sie uns nähert aber dass wir auch verstehen dass das eine sehr selektive Wahrnehmung ist, dass das nicht die ganze Geschichte ist und dass wir das nicht hernehmen können um daraus die ultimative Wahrheit einfach für die aktuelle Situation auch zu beschreiben vor allem wenn es um Dinge geht wie eine Klimakrise.

00:11:39: Und darum geht, dass wir einfach aktiv werden müssen.

00:11:43: Und damit verabschiede ich mich für heute.

00:11:47: Ich wünsche allen einen schönen Tag und ich hoffe, ihr habt alle die Möglichkeit schöne Erinnerungen heute zu schaffen.

00:11:54: Wir werden alle aktiv, damit wir auch für Generationen, die nach uns kommen, noch schöne Erinnrungen schaffen können.

00:12:00: Und freue mich wenn ihr diese Folge teilt.

00:12:04: Gebt es weiter?

00:12:05: Überlegt was in eurer nostalgischen Momente schenkt?

00:12:09: Umfeld nostalgische Momente?

00:12:13: wenn wir uns nächste Woche wieder hören, wieder sehen und ihr habt es gut.

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